Looking for something?

DIE AUTOREN

Karen Thiel
Seit mehr als 20 Jahren bin ich als selbständige Pharma-Expertin für die Bereiche Medical-Marketing und Patient Support tätig. Ich betreue Biopharma, RX, OTC/OTX, Supplements und apothekenexklusive Kosmetik-Marken als Managerin oder Consultant. Ein besonderes Spezialgebiet von mir ist der Aufbau von Patienten-Support-Programmen. Auch Online/Social-Media-Aktivitäten im Healthcare-Bereich zählen zu meinen Kernkompetenzen. Meine Firma heißt KT Projekt. Mein Angebot sowie eine Referenz- und Projektliste finden Sie unter www.ktprojekt.de.
Dr. Martina Hänsel
In der Pharmabranche arbeite ich seit mehr als 20 Jahren und bin seit über acht Jahren freiberufliche Beraterin mit Schwerpunkt auf medizinisch-wissenschaftliche Beratung, Kommunikation und Interim Management. Außerdem absolviere ich einen Master-Studiengang Regulatory Affairs.

LINKS ZU WICHTIGEN PHARMA-WEBSITES

Patentschutz muss bleiben!

Warum es falsch ist, den Patentschutz für die Covid-19-Impfungen aufzuheben und was das mit der Debatte um den Schutz geistigen Eigentums zu tun hat, erfahren Sie in dem aktuellen Blogbeitrag.

Ohne Patentschutz keine Innovationen

Die Aussage Bidens, dass man darüber nachdenke, den Patentschutz für die Covid-19-Impfstoffe aufzuheben, hat eingeschlagen wie eine Bombe. Saloppe Antwort: „Geht gar nicht!“

„Die forschenden Pharmaunternehmen haben in Rekordzeit Impfstoffe gegen COVID-19 entwickelt, sie zur Zulassung gebracht und deren Großproduktion aufgebaut. … Die Entwicklung der Impfstoffe beruht teilweise auf jahrzehntelanger Vorarbeit. Es waren vor allem private Geldgeber und Unternehmen, die dabei ins finanzielle Risiko gegangen sind, um wissenschaftliche Erkenntnisse weiterzuentwickeln und neue Technologien zur Marktreife zu bringen. Sie taten dies mit der Aussicht, dass ihr geistiges Eigentum durch Patente geschützt wird und ihre Investitionen die Chance bekommen, sich zu amortisieren“. (Q)

Auch die gerne genannten staatlichen Investitionen, die aktuell in die Produktionskapazitäten fließen, sind kein Argument für eine Patentaufhebung. Denn an den Vorarbeiten waren diese staatlichen Investionen gar nicht beteiligt. Sie dienen momentan dazu, um soviel wie möglich zu produzieren, damit der Großteil der Bevölkerung geimpft werden kann. Aber erst nachdem die Vorarbeiten und die klinischen Studien bereits gelaufen waren kam staatliche Unterstützung ins Spiel.

Know How behalten

Außerdem: Wie können die Industrienationen denn noch weiteres Know How an die Schwellenländer abgeben? Wir gefährden unseren eigenen Wohlstand! Die Erfahrung haben viele deutsche Firmen bereits beim Chinahandel gemacht. Und nun auch noch unsere biotechnologisches Know How? Obelix würde sagen: „Die spinnen, die Römer“. Die Autorin sagt: „Herr Biden spinnt“, denn er hat die Diskussion losgetreten.

Wir haben doch gesehen, welches Drama es war und ist, dass entscheidene Produkte nicht mehr in Europa, sondern nur noch in Asien produziert werden. Denken wir an die Masken, denken wir an die Lieferengpässe von vielen Arzneimitteln. Außerdem:

„Eine Aufhebung des Patentschutzes würde nicht dafür sorgen, dass auch nur eine einzige Dosis Impfstoff schneller zur Verfügung steht. Wahrscheinlich wäre sogar das Gegenteil der Fall: Die Originalhersteller würden keinen Anreiz mehr haben, sich an einer schnellstmöglichen weltweiten Versorgung mit Impfstoffen zu beteiligen. Auch eine Umrüstung bestehender Impfstofffabriken wäre kontraproduktiv, da dann andere wichtige Impfstoffe wegfallen müssten. Leerstehende Impfstofffabriken gibt es unseres Wissens nicht. Selbst Indien, das eigene Impfstoffe entwickelt, sucht händeringend weltweit nach Produktionskapazitäten. Deswegen setzen Pharmaunternehmen auf Kooperation untereinander.“ (Q)

Zu dem Thema möchten wir noch weitere Artikel empfehlen:

https://www.pharma-fakten.de/news/details/1079-pharmabranche-zur-innovation-verdammt/

https://blogs.sciencemag.org/pipeline/archives/2021/05/06/waiving-ip

https://www.mpg.de/16557172/patentschutz-corona-impfung

Helfen ja, Know How verschenken nein!

Mit der COVAX-Facility-Initiative werden weltweit Länder mit Impfstoff versorgt. Die USA beteiligen sich übrigens nicht daran, es gilt immer noch „America first“. Die EU versendet im Prinzip genausoviel Impfstoff an die Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen wie in Europa verimpft wird. Weitere Infos dazu liefert folgender Bericht und Podcast: https://www.vfa.de/de/arzneimittel-forschung/coronavirus/covax-facility

Desweiteren bieten u. a. BionTech/Pfizer Auslizensierungen an und bauen gerade in Afrika eigene Impfproduktionsstätten auf. Das ist auch deshalb notwendig, da sich vom Handling her der BionTech-Impfstoff Comirnaty nur schwer für Entwicklungsländer eignet, Stichwort Temperatur. Die Vektor-Impfstoffe von AstraZeneca und Janssen lassen sich dagegen viel einfacher in diese Länder transportieren und verteilen.

Schutz des geistigen Eigentums

Der eine oder andere erinnert sich vielleicht noch: Autoren, Zeitungen, Zeitschriften, haben um den Schutz ihres geistigen Eigentums gekämpft, was sie im Internet in Gefahr sahen. Es kam zur Überarbeitung des Urheberrechtsgesetzes. Es gab damals viele Proteste der Netzgemeinde, da man die Kunst- und Meinungsfreiheit bedroht sah, aber der „Gedanken-Patentschutz“ wurde durchgesetzt. Und jetzt wollen einige dieser Gruppe genau das den Impfstoff entwickelnden Unternehmen zumuten? Nur weil es die „böse“ Pharmabranche ist? Nochmal: „Geht gar nicht“.


Quelle der Zitate:

https://www.vfa.de/de/wirtschaft-politik/politik/aufhebung-patentschutz


Links:

Zum Thema Lieferengpässe:

Geldverdienen im Gesundheitswesen

Zu wenig Impfstoff in Deutschland – selbst schuld

Impf-Chaos der EU

Pharma: Der ewige Buhmann?

Titelbild von Pete Linforth auf Pixabay

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert