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DIE AUTOREN

Karen Thiel
Seit 20 Jahren bin ich als selbständige Pharma-Expertin für die Bereiche Marketing, Sales und Medical tätig. Ich betreue Biopharma, RX, OTC, OTX, NEM/EBD, Medizinprodukte und apothekenexklusive Kosmetik-Marken als Interims-, Projektmanagerin oder Consultant.

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Martina Hänsel
Seit 21 Jahren arbeite ich in der Pharmabranche und bin seit gut fünf Jahren freiberufliche Beraterin mit Schwerpunkt auf medizinisch-wissenschaftliche Beratung, Kommunikation und Interimsmanagement.

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Würde es wirken, wäre es Standardtherapie

Im Stern, Nr. 17 vom 20.04.2017, enthüllt Bernhard Albrecht „Gefährliche Heilpraktiker“. Der Leitartikel ist genauso reißerisch gestaltet wie die meisten Artikel zum Thema Gesundheit, gerade was Berichte über Ärzte, Schulmedizin und pharmazeutische Industrie angeht. Überraschenderweise trifft es aber diesmal die Heilpraktiker. Gut so, denn hinter die Kulissen der Heilpratikergilde blickt man nicht. Im Gegensatz zur vielgescholtenen Schulmedizin und den Playern in dem Markt, ist die Alternativmedizin nämlich das Gegenteil von transparent.

Einseitigkeit statt Neutralität

Denn auch wenn der Artikel viele Misstände offen legt, sind es aber genau die Medien, seien es Zeitschriften oder die Magazine der Fernsehsender, die an dem Hype der Alternativmedizinindustrie mitschuldig sind. Durch die fehlende neutrale Berichterstattung, dem ständigen Hetzen über Pharmaindustrie, Arzneimittel, die Schulmedizin und Ärzte, verunsicherten sie die Patienten und schürten das Mißtrauen gegen die Gesundheitsbranche allgemein.

Rufmord statt Aufklärung

Investigativer Journalismus ist sicherlich das A und O einer Demokratie, er soll Missstände und Verfehlungen aufzeigen, aber eine Rufmordkampagne ist damit nicht gemeint. Aber genau das ist passiert: Statt die Erfolge zu feiern, z. B., dass wir länger und gesünder durch Arzneimittel und Therapien leben, stehen Nebenwirkungen, angebliche Geldgier und Arztfehler im Vordergrund.

Alternativmethoden versus Leitlinientherapien

Die meisten Diagnosemethoden der Alternativmedizin sind in Studien nicht haltbar. So erkannten erfahrene und angesehene Heilpraktiker weder über die Dunkelfeldmiskroskopie des Blutes noch über die Irisdiagnostik nachgewiesene Krebserkrankungen der Probanden. Das beschreibt der Sternartikel sehr gut (S. 36, linke Spalte unten).

Trotzdem wurde diesen Methoden mehr vertraut als den schulmedizinischen Therapien nach Leitlinien, obwohl diese bewiesen sind und ständig überarbeitet und aktualisiert werden.

Vielleicht hilft es, sich an den Satz zu halten: Alle Methoden, die helfen, werden auch eingesetzt, denn Heilerfolg bringt Zuspruch. Wenn also die Bioresonanz der Burner wäre, hätte es jedes Krankenhaus! Und: Auch mit Kräutern und Geräten der Alternativmedizin verdienen Hersteller und Anwender Geld. Dies wird aber anscheinend nicht als „böse“ angesehen.

Viele Alternativmethoden verneinen einfach die Realität und gehören in die Ecke der Verschwörungstheorien. Furchtbar, dass dem soviel Glauben geschenkt wird.

Aber nicht alles, was unter Alternativmedizin läuft, ist direkt schlecht. Zugelassene Phytotherapeutika sind nachgewiesen wirkungsvoll. Auch Aspirin hat seinen Ursprung in der Weidenrinde. Phytoarzneimittel sollte man daher nicht zu den Alternativtherapien zählen, es würde die schwarzen Schafe verharmlosen. Phytotherpeutika sind übrigens nicht nebenwirkungsfrei, wie das Beispiel Johanniskraut zeigt. Bei schweren Erkrankungen sind sie oft nur als Zusatztherapie einsetzbar, bei Bagatellerkrankungen hingegen oft das Mittel der Wahl.

Abschließend findet der Artikel auch gute Worte für Heilpraktiker, die vielleicht nur durch Zuhören, viel Zeit und die richtigen Fragen helfen. Das ist dann auf jeden Fall ein Besuch wert. Und deshalb hatte der Artikel auch den Untertitel: „Worauf Patienten bei der Wahl ihres Alternativ-Mediziners achten müssen.“

 

 

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