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DIE AUTOREN

Karen Thiel
Seit mehr als 20 Jahren bin ich als selbständige Pharma-Expertin für die Bereiche Medical-Marketing und Patient Support tätig. Ich betreue Biopharma, RX, OTC/OTX, Supplements und apothekenexklusive Kosmetik-Marken als Managerin oder Consultant. Ein besonderes Spezialgebiet von mir ist der Aufbau von Patienten-Support-Programmen. Auch Online/Social-Media-Aktivitäten im Healthcare-Bereich zählen zu meinen Kernkompetenzen. Meine Firma heißt KT Projekt. Mein Angebot sowie eine Referenz- und Projektliste finden Sie unter www.ktprojekt.de.

Dr. Martina Hänsel
In der Pharmabranche arbeite ich seit mehr als 20 Jahren und bin seit über acht Jahren freiberufliche Beraterin mit Schwerpunkt auf medizinisch-wissenschaftliche Beratung, Kommunikation und Interim Management. Außerdem absolviere ich einen Master-Studiengang Regulatory Affairs.

Wird das AÜGesetz verschärft?

Die neue Bundesregierung, vermutlich eine Ampel-Koalition aus Grünen, FDP und SPD, wird das bereits existierende AÜGesetz sicherlich nicht zurücknehmen. Da die SPD im Bündnis beteiligt ist, wird es möglicherweise sogar noch verschärft.

Die Hoffnungen der letzten Legislaturperiode, dass man aufgrund der vielen Proteste von Selbständigen ein Einsehen hat und dass nach dem Weggang von Andrea Nahles das Gesetz entschärft würde, waren weit gefehlt!

Und nun wird gemunkelt, Andrea Nahles käme sogar zurück ins Kabinett. Eine ungute Vorstellung. Normalerweise äußern wir uns in diesem Blog nicht politisch in die eine oder andere Richtung, aber nach dem Wahlabend gingen bei der Autorin die Warnglocken an. Ob die FDP reichen wird, um weiteres Unheil zu verhindern?

Arbeitsverbot für Interim-Manager:innen

Interim-Manager:innen dürfen – genau genommen – bereits jetzt schon nicht mehr als Freiberufler:innen arbeiten, sondern müssen in eine Arbeitnehmerüberlassung oder sich eine andere Tätigkeit suchen. Wir wiesen in vielen vorherigen Blogbeiträgen darauf hin (Liste unten), dass Interim-Manager:innen in den meisten Fällen freiwillig als Selbständige arbeiten und nicht vom Staat betreut werden möchten. Für viele kommt – allein schon aus steuerlichen Gründen – ein ständiger Wechsel von Selbständigkeit und Festanstellung auf Zeit (Arbeitnehmenüberlassung) nicht in Frage.

Bestrafung erfahren in den meisten Fällen nicht die Freiberufler:innen, sondern die Unternehmen, die angeblich Scheinselbständige beschäftigen. Deshalb sind viele Firmen dazu übergegangen, Vakanzen nur noch mit Zeitverträgen als Arbeitnehmerüberlassung zu überbrücken.

Nachteile auch für Unternehmen

Das bedeutet auch eine geringere Flexibilität für die Unternehmen, denn diese Zeitarbeiter dürfen nur 18 Monate in einem Unternehmen arbeiten, dann müssen sie in Festanstellung übernommen werden oder gehen.

Es gibt aber Projekte, die beispielsweise eine Agentur mit einem Auftraggeber vereinbart, die flexibel laufen. Bei Erfolg läuft das Projekt länger, kündigt der Kunde, ist das Projekt früher beendet. Festangestellte müssen dann von der Agentur entlassen werden, was bekanntlich nicht so einfach ist. Mit Zeitarbeitskräften und mit Interim-Manager:innen in höheren Positionen, war das kein Problem. Beide Seiten waren so maximal flexibel. Das fällt nun weg. Ärgerlich ist natürlich, dass einige Unternehmen das schamlos im Niedriglohnsektor ausgenutzt haben, um Sozialversicherungsbeiträge zu sparen. Für den Niedriglohnsektor ist Selbständigkeit tatsächlich nicht gedacht.

Problem ist völlig unbekannt

Die erläuterte Problematik hat sich in der Bevölkerung nicht herum gesprochen. Denn egal wem man erzählt, dass man seinen freiwillig gewählten Beruf des Interim-Managers/der Interim-Managerin kaum noch ausüben kann, ist der oder die Gesprächspartner:in überrascht. Aber von Mitleid weit entfernt, stehen die Interim-Manager:innen natürlich für satte Tagessätze. Richtig, deshalb hat man den Weg ja auch gewählt, muss aber davon die vollen Krankenkassenbeiträge, die Rente und die Unternehmenskosten tragen. Deshalb sind hohe Tagessätze nicht das, was man am Ende verdient.

Es gibt außerdem für Selbständige kein soziales Netz bei Krankheit oder Auftragslosigkeit. Auch die Coronahilfen halfen, je nach Branche, bei Interim- Managerinnen selten vollständig. Es gab hier und da ein Fixkostenzuschuss, aber einen Beitrag zum Lebensunterhalt häufig nicht. 

All das ist für Angestellte schwer nachzuvollziehen, daher erfährt man als Freelancer Solidarität von Angestellten definitiv nicht.

Aussagen vor der Wahl

Wer als Freelancer oder Selbständiger am 26. September 2021 SPD gewählt hat, war mit dem Klammerbeutel gepudert. Man muss es so deutlich sagen. Der VGSD hat vor der Wahl eine Umfrage gestartet, was die Parteien von wichtigen Fragen halten. Der erste Wahlprüfstein galt dem Thema Scheinselbständigkeit. Die SPD gab dazu folgendes knappes Statement:

„Wir wollen, dass der Arbeitnehmerstatus einfacher geklärt werden kann. Dazu gehört auch, die Rechte der Betriebsräte beim Einsatz von „Fremdpersonal“ im Arbeitsprozess weiter zu stärken.“

Ein Witz! Alle anderen Parteien gaben durchaus vernünftige Aussagen zu Protokoll, wobei die FDP ganz klar die Stimme der Selbständigen vertrat. Aber natürlich lässt sich auch mit den Grünen und der CDU ein Weg finden, so dass beide Seiten zufrieden sind. Leider ist es nun zu spät.

 

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Berufsverbot für Freiberufler?

Brand Eins Titelseite „Risikogruppe: Freiberufler“

Update: Noch eine Studie zum AÜGesetz

Das Ende der Freiberuflichkeit? – Weitere Einschränkungen von freiberuflichen Tätigkeiten in Kliniken und in der Pflege helfen niemandem

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Titelbild: ©KT Projekt

3 Kommentare

  1. Dank Gelb-Grün scheint es für uns Selbständige nicht ganz so schlimm wie befürchtet zu werden. Eine Zusammenfassung über die Pläne finden Sie unter diesem Link: https://www.vgsd.de/unter-der-lupe-was-bringt-der-koalitionsvertrag-uns-selbststaendigen/?utm_source=VGSD+e.V.+Newsletter&utm_campaign=e8df54b3da-koalitionsvertrag_211126&utm_medium=email&utm_term=0_57e5bd8ca5-e8df54b3da-60259129

    Es bleibt natürlich abzuwarten, ob wir uns nicht zu früh freuen.

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