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DIE AUTOREN

Karen Thiel
Seit 20 Jahren bin ich als selbständige Pharma-Expertin für die Bereiche Marketing, Medical und Patients tätig. Ich betreue Biopharma, RX, OTC, OTX, NEM/EBD, Medizinprodukte und apothekenexklusive Kosmetik-Marken als Interims-, Projektmanagerin oder Consultant.

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Martina Hänsel
Seit 21 Jahren arbeite ich in der Pharmabranche und bin seit gut fünf Jahren freiberufliche Beraterin mit Schwerpunkt auf medizinisch-wissenschaftliche Beratung, Kommunikation und Interimsmanagement.

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Was hat Usbekistan mit unserem Gesundheitssystem zu tun?

Letztens habe ich es mir gut gehen lassen, ich war bei der Kosmetik. Die Kosmetikerin stammt aus Usbekistan. Sie hat die freie Zeit über Silvester sehr genossen, ihre Mutter war zu Besuch, was aufgrund der weiten Anreise natürlich nicht oft der Fall ist. Seit dem Tod des Vaters freut sich die Mutter darauf, ihre Tochter einmal im Jahr zu besuchen. Ich weiß auch nicht wie ich dazu kam nach dem Tod des Vaters nachzufragen, aber die Kosmetikerin antwortete freimütig, dass er an Rheuma gestorben sei. Das hat natürlich ein großes Fragezeichen bei mir ausgelöst, weil man an Rheuma nicht sterben muss. Es stellte sich heraus, er hat neben Cortison vor allem Schmerzmittel bekommen, da er immer sehr starke Schmerzen hatte. Das ging soweit, dass er morphinabhängig wurde und schließlich indirekt an seiner Erkrankung gestorben ist.

Miese Stimmung

Die Geschichte brachte sie dazu über die Deutschen im Allgemeinen zu sprechen. Man sei in Deutschland immer so negativ, würde über Ärzte, über Medikamente, über das Warten auf Termine, über das gesamte Gesundheitssystem meckern und man wüsste doch gar nicht, welch gute Versorgung man hier hätte. Die Deutschen können es einfach nicht schätzen wie gut ihre Gesundheitsversorgung hier wäre. Es sei sehr traurig.

Negativpresse

Mich hat das natürlich zum Nachdenken gebracht. Es gibt in Deutschland keine Zweiklassengesellschaft, wie viele gerne behaupten, die gibt es aber sicherlich in Usbekistan. Jeder wird in Deutschland versorgt, auch wenn man mal etwas länger auf Termin warten muss. Es gibt hoch potente Medikamente, aber den Erfolg sehen viele nicht, nur die möglichen Nebenwirkungen. Es wird gehetzt, geschimpft und negative Stimmung verbreitet, auch von der Presse, die durch einseitige Berichterstattung Patienten noch mehr auf die negative Schiene bringen.

Schade eigentlich, aber trotzdem möchte ich nicht in Usbekistan leben.

Zu kurz gekommen

Wird man erst ruhen bis in Deutschland auch eine Art „NHS“ wie in Großbritannien (https://de.wikipedia.org/wiki/National_Health_Service) eingeführt wird? Über die Konsequenzen macht sich aber keiner Gedanken: Dann ist für alle die Versorgung schlechter, wie man an vielen Beispielen aus Großbritannien sieht, und das empfindet dann der deutsche Michel als gerechter?

Dass man beispielsweise mit einer Bürgerversicherung in eine echte Zweiklassengesellschaft rutscht, indem Wenige mit viel Geld sich sowieso jede medizinische Versorgung der Welt leisten können und der Mittelstand sich über private Zusatzversicherungen ebenfalls eine bessere Versorgung sichert, wird überhaupt nicht reflektiert. Es wird ständig das Gefühl des „Zukurzkommens“ kolportiert und die Neid-Gesellschaft von der oft die Rede ist, wird befeuert. Ganz schlechte Politik! Nicht im Sinne der Patienten.

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