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DIE AUTOREN

Karen Thiel
Seit 20 Jahren bin ich als selbständige Pharma-Expertin für die Bereiche Marketing, Medical und Patients tätig. Ich betreue Biopharma, RX, OTC, OTX, NEM/EBD, Medizinprodukte und apothekenexklusive Kosmetik-Marken als Interims-, Projektmanagerin oder Consultant.

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Martina Hänsel
Seit 21 Jahren arbeite ich in der Pharmabranche und bin seit gut fünf Jahren freiberufliche Beraterin mit Schwerpunkt auf medizinisch-wissenschaftliche Beratung, Kommunikation und Interimsmanagement.

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Spiegel-Skandal und der Vertrauensverlust

Wir haben uns damit Zeit gelassen den Fall „Claas Relotius“ zu erwähnen. Wir wollten uns ganz bewusst nicht in eine allgemeine Medienschelte mit einklinken, die momentan vom rechten Lager befeuert wird. Und Häme ist ebenfalls völlig unangebracht, da der Fall sehr traurig, aber nicht wirklich unerwartet ist.

Der Skandal bewirkt definitiv einen weiteren Vertrauensverlust in die Berichterstattung. Der Spiegel möchte offensiv mit dem Thema umgehen und überprüft jeden Bericht des Journalisten: Spiegel checkt Relotius-Texte

Der auf dem Fuß folgende zweite Skandal im Fernsehformat „Menschen hautnah“ lässt aber vermuten, dass es nur die Spitze des Eisberges ist, was unseriösen Journalismus betrifft. In der WDR-Reihe wurden Interviews durch Komparsen nachgestellt, obwohl es eine angebliche Dokumentation sein sollte, bei der man erwartet, dass dort Betroffene zu Wort kommen. Hier zwei Links, die den Fall genauer erläutern.

Aber selbst der „rasende Reporter“ Egon Erwin Kisch (1885-1948) soll sich Geschichten ausgedacht haben und sie als klassische Fake-News veröffentlicht haben (Quelle: WZ v. 27.12.2018, S. 13 Kultur).

Was darf man noch glauben?

In der Tat eine berechtigte Frage. Man sollte nichts glauben, was man nicht selbst überprüft hat. Das ist natürlich gar nicht möglich. Vielleicht hilft es aber schon, nicht grundsätzlich die vorherrschende Meinung nachzuplappern und ab und zu lieber zu schweigen. Einen Versuch wert könnte es auch sein, mit Menschen zu sprechen, die anderer Meinung sind und sich ihre Argumente anzuhören. Ein Rede- und Denkverbot darf es dabei nicht geben. Wir alle haben viel Wissen, aber noch mehr Meinungen und Ansichten aus Zeitschriften, Fernsehbeiträgen, Facebook etc. übernommen und es hat unser Weltbild geprägt. Aber wir müssen uns fragen:

  • Gibt es nicht doch noch eine andere Betrachtungsweise?
  • Wo ist die Dialektik geblieben? Haben wir in der Schule nicht die dialektischen Aufsätze gelernt und damals Pro und Contra mit uns selbst diskutiert? Warum haben wir das nicht in unseren Alltag integriert?
  • Warum lassen wir oft keine anderen Meinungen zu als die, die zu unserem Weltbild passen? Warum sind wir so festgefahren?

Genau deshalb schreiben wir diesen Blog. Wir möchten zum Nachdenken anregen und ganz bewusst eine andere Perspektive aufzeigen.

Ein nicht veröffentlichtes Interview

Eine Bekannte der Autorin vermittelte ein Interview zwischen einem Journalisten einer namhaften Wirtschaftszeitschrift und ihr. Es sollte um die Arbeit in der Pharmaindustrie gehen. Die Autorin freute sich, da konnte sie endlich mal einen anderen Blickwinkel aufzeigen. Und eine Wirtschaftszeitschrift wird dafür wohl offen sein.

Man traf sich in einem Cafe. Eigentlich war man sich sofort sympathisch und der Small Talk am Anfang war auch sehr nett. Dann begann das Interview. Die Autorin sollte doch mal erzählen, wie es so abläuft in der Pharmaindustrie, wie das mit der Bestechung ist und wie man Studien fälscht! Sprachlosigkeit! Richtig, es handelt sich um ein Vorurteil, was der Journalist versuchte zu beweisen.

Um es kurz zu machen, die andere Sichtweise interessierte den Journalisten 0,0 und ein Perspektivwechsel war für ihn gar nicht möglich bzw. denkbar. In seinen Augen log die Bloggerin bzw. schützte die „Pharma-Mafia“. Das dann abgebrochene Interview wurde natürlich nicht veröffenlicht.

Die Abgasfälscher als Moralapostel

Zitat einer Texterin: „Letztes Jahr hatte ich ausgrechnet bei Volkswagen (!) eine Diskussion darüber, wie böse doch die Pharmaindustrie ist. Und im Herbst hatte ich ein Gespräch mit dem Inhaber einen kleinen Social-Media-Agentur, der mir mitteilte „aus moralischen Gründen“ würde er niemals für die Pharmaindustrie arbeiten, denn das könnte er nicht mit sich vereinbaren. Diese Mischung aus Scheinheiligkeit und Vorurteilen ist wirklich sehr anstrengend.“

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