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Karen Thiel
Seit über 20 Jahren bin ich als selbständige Pharma-Expertin für die Bereiche Marketing, Medical und Patients tätig. Ich betreue Biopharma, RX, OTC, OTX, NEM/EBD, Medizinprodukte und apothekenexklusive Kosmetik-Marken als Interims-, Projektmanagerin, Consultant oder Medical Texter. Eines meiner Spezialgebiete sind PSPs (Patient Support Programs = Patientenunterstützungsprogramme).

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Dr. Martina Hänsel
In der Pharmabranche arbeite ich seit mehr als 20 Jahren und bin seit über acht Jahren freiberufliche Beraterin mit Schwerpunkt auf medizinisch-wissenschaftliche Beratung, Kommunikation und Interimsmanagement. Außerdem absolviere ich einen Master-Studiengang Regulatory Affairs.

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Metaanalyse über Kancerogenität von Fleischprodukten löst Entsetzen aus

Es ist eigentlich schon seit ca. 30 Jahren bekannt, verarbeitetes Fleisch, wie Wurst und Schinken sind nicht gesund. Auch rotes Fleisch, also beispielsweise Rind, Schwein, Lamm, Ziege, werden nicht nur aus Umweltgründen als problematisch angesehen.

Nun gibt es eine Metaanalyse, bei der 22 Wissenschaftler 800 epidemiologische Studien, aus den verschiedensten Ländern der Welt, über den Zusammenhang von Krebserkrankungen und dem Fleischkonsum untersuchten. Das Ergebnis kennen wir aus der Presse.

Die Analyse der IARC ist in Lancet veröffentlich worden, ist nur 2 Seiten lang, gut verständlich und kann kostenlos abgerufen werden: http://www.thelancet.com/journals/lanonc/article/PIIS1470-2045%2815%2900444-1/abstract

Das Medienecho war riesig und die sozialen Netzwerke waren voll mit Posts, von „jetzt erst recht“, „was für ein Unsinn“, „schlechte Studien“ bis hin zu „habe ich doch gesagt“ (allerdings waren dies deutlich weniger Stimmen).

Persönlich zähle ich mich zu der „hab ich doch gesagt“-Fraktion, da die lang bekannten Aussagen tatsächlich für mich einer der 3 Gründe war, vor 30 Jahren aufzuhören Fleisch zu essen: Umwelt, Tierquälerei in der Massentierhaltung und eigene Gesundheit. In eben dieser Reihenfolge.

Also tatsächlich überhaupt nichts Neues, was dem Lancet-Artikel zu entnehmen ist. Das Neue daran ist lediglich, die Einstufung von verarbeiteten Fleischprodukten wie Wurst, Schinken und Co. Die Autoren, die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC), die zur WHO gehört, setzen verarbeitetes Fleich auf die Stufe der Kanzerogenität mit Tabak, Alkhol, Dieselabgase und Asbest!

Neben Darmkrebs kann das genannte Fleisch möglicherweise auch eine Rolle bei Magen-, Bauspeicheldrüsen- und Prostatakrebs spielen. Auch rotes Fleisch ist möglicherweise kanzerogen. Die Klassifizierung ist also weniger dramatisch als die von verarbeitetem Fleisch. (Weißes Fleisch, also Geflügel, ist in dem Artikal übrigens nicht berücksichtigt.) Natürlich weisen die Autoren darauf hin, dass es die Menge macht. Der Sonntagsbraten, bzw. das Sonntagssteak, wird nicht schaden, der tägliche Konsum und häufiges Grillen schon. Trotzdem entwickelt natürlich nicht jeder Mensch einen Tumor.

Die deutsche Fleischindustrie ärgert sich verständlicherweise über den Lancet-Artikel. Es wird also nicht lange dauern bis ein Gegenpapier veröffentlicht wird, was den „guten“ deutschen Aufschnitt rehabilitieren soll. Warten wir es ab.

Es wäre trotzdem schön, wenn sich durch die Metaanalyse der eine oder andere entschließen könnte weniger Fleisch zu essen. In diesem Sinne: Guten Appetit mit Gemüse.

Weitere Quellen/Downloads:

http://www.iarc.fr/en/media-centre/pr/2015/pdfs/pr240_E.pdf

http://www.iarc.fr/en/about/index.php

 

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