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DIE AUTOREN

Karen Thiel
Seit 20 Jahren bin ich als selbständige Pharma-Expertin für die Bereiche Marketing, Medical und Patients tätig. Ich betreue Biopharma, RX, OTC, OTX, NEM/EBD, Medizinprodukte und apothekenexklusive Kosmetik-Marken als Interims-, Projektmanagerin oder Consultant.

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Martina Hänsel
Seit 21 Jahren arbeite ich in der Pharmabranche und bin seit gut fünf Jahren freiberufliche Beraterin mit Schwerpunkt auf medizinisch-wissenschaftliche Beratung, Kommunikation und Interimsmanagement.

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Evidence based Science – ein Qualtitässiegel gegen fake-science

 

Mehrmals im Monat bekomme ich Anfragen von Verlagen und Publikationsmedien, ob ich mein nächstes Paper nicht bei ihnen, Verlag XY, veröffentlichen möchte. Ich fand das am Anfang sehr nett und war echt geschmeichelt, dass mein Paper (übrigens kein medizinsches Thema) so „rasend“ gut ankommt. Ich habe mir anfangs sogar Mühe gegeben, diese Anfragen zu beantworten. Nach 20 dieser Anfragen kam es mir dann seltsam vor und ich fragte mich, ob es doch eher Spam-Mails als ernst gemeinte Angebote sind. Ich habe die Mails ab dem Zeitpunkt einfach ignoriert und gelöscht, mir aber keine weiteren Gedanken darüber gemacht. So geht es sicherlich vielen Autoren.

Was wäre gewesen, wenn ich schon ein zweites Paper in Vorbereitung gehabt und dieses dann einem dieser Verlage mit der Frage nach Veröffentlichung zugemailt hätte. Wie ich jetzt weiß: das wäre ein großer Fehler gewesen! Ich gebe ehrlich zu, ich wusste nicht, dass es unseriöse Publikationsmedien im Wissenschaftsbetrieb gibt. Ich wäre darauf rein gefallen und hätte meine eigene Arbeit somit diskreditiert. Das wäre in meinem Fall nicht so schlimm gewesen, aber bei naturwissenschaftlicher Forschung darf so etwas nicht sein. „Fake Science“ schadet der Wissenschaft. Nur auf „Evidence based Science“ ist auch tatsächlich Verlass.

ARD-Bericht: Fake Science – Die Lügenmacher

Mit dem Thema unseriöse Publikationen beschäftigt sich ein ARD-Beitrag (bis 23.07.2019 in der Mediathek abrufbar): ARD-Reportage über Fake-Science

Natürlich startet und endet der Bericht mit einem emotionalen „Aufhänger“ und auch der Titel ist reißerisch. Auf die Machart solcher Beiträge möchte ich hier an dieser Stelle nicht eingehen. Aber inhaltlich ist einiges erwähnt worden, was mich doch nachdenklich machte:

  • Der Ablauf des Wissenschaftsbetriebs mit dem unbedingten Druck zu publizieren, fördert Fake-Verlage.
  • Es gibt Fake-Konferenzen, an denen selbst seriöse, allerdings oft junge, Forscher wissentlich oder unwissentlich teilnehmen.
  • Es scheint keine Liste zu existieren, die diese Fake-Verlage, Fake-Konferenzen etc. auflistet und für alle Menschen zugänglich macht.

Allerdings: Schon immer galt, beispielsweise in der Medizin/Pharmazie, dass man Studien und Publikationen in Wissenschaftskreisen nur aus bestimmten Wissenschaftsmedien wirklich akzeptiert und anerkennt. Das sind Medien mit verlässlichem Peer Review.

Sind die Medien indirekt an Fake-Science beteiligt?

Verzweifelte Krebspatienten klammern sich an jeden Strohhalm, der ihnen Heilung verspricht. Das ist verständlich. Und daher fallen viele auf vermeintliche Wundermittel rein, wie auch in dem ARD-Bericht gezeigt wird. Die Patienten glauben den Fake-Studien.

Patienten haben aber leider auch gelernt, dass die Pharmaindustrie unseriös wäre und Studien fälschen würde. Das ist selbstverständlich nicht der Fall, wurde aber von den Medien gerne so dargestellt. Sicherlich gab es Fehler, die in der pharmazeutischen Industrie gemacht wurden, z.B. Studienergebnisse, die negativ sind einfach nicht zu veröffentlichen oder Aussagen wegzulassen. Deshalb gibt es heute die Vorschrift alle Studien veröffentlichen zu müssen.

Leider werden und wurden forschende Pharmaunternehmen in einen Topf mit Herstellern von Nahrungsergänzungsmitteln oder anderen angeblichen Heilmitteln geworfen. Das führt bei Laien zu einem unverständlichen Brei und lässt sie empfänglich werden für unhaltbare Wirkversprechen. Nicht umsonst darf für verschreibungspflichtige Arzneimittel nicht geworben werden. Leider dürfen Patienten noch nicht einmal informiert werden, weil das schon als Werbung gilt. Nur die Packungsbeilagen sind als (ungeeignetes) Informationsmaterial über das Medikament für Patienten erlaubt.

Journalisten fallen auf Fake-News übrigens auch sehr gerne herein. Ich denke noch mit Unbehagen an den Plasberg-Beitrag mit der Avocado-Psoriasis-Creme, die angeblich allen Patienten helfen würde.

 

Qualtiäts-Siegel für Publikationen und Webseiten

Gibt es eine Lösung für das Fake-Science Problem? Ideen gibt es einige:

  • Listen von Verlagen und Konferenzen, die wissenschaftlich anerkannt sind und die nur Artikel nach Peer Review veröffentlichen
  • Qualitätssiegel der Verlage und Konferenzen
  • Überprüfung von unseriösen Webseiten und Sperrung derselben (Cave: Zensurdebatte)
  • Selbstkritik der Medien gegenüber ihrer feindlichen Berichterstattung gegenüber der pharmazeutischen Industrie, um auf lange Sicht die öffentliche Meinung zu ändern

Nur: Wer geht das an? Wer setzt was durch?

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