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DIE AUTOREN

Karen Thiel
Seit 20 Jahren bin ich als selbständige Pharma-Expertin für die Bereiche Marketing, Medical und Patients tätig. Ich betreue Biopharma, RX, OTC, OTX, NEM/EBD, Medizinprodukte und apothekenexklusive Kosmetik-Marken als Interims-, Projektmanagerin oder Consultant.

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Martina Hänsel
Seit 21 Jahren arbeite ich in der Pharmabranche und bin seit gut fünf Jahren freiberufliche Beraterin mit Schwerpunkt auf medizinisch-wissenschaftliche Beratung, Kommunikation und Interimsmanagement.

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Die Geister, die die Medien riefen – Mangelndes Vertrauen in die Medizin

Jahrelang hetzten Medien gegen die pharmazeutische Industrie und Ärzte. Die Redensart „Die Geister, die ich rief“ beschreibt die Folgen. Die durch die Medien gestreuten Zweifel fielen auf fruchtbaren Boden. „Nun hat man den Salat“ und die Medien steuern endlich dagegen. Aber erreichen wir die Menschen noch, die man ins Netz auf der Suche nach Antworten getrieben hat? Ein Bericht des ZDF-Magazins Frontal 21 mit dem Titel: „Pillen, Pulver, Wunderheiler“ vom 01. Mai 2019 lässt eher ungutes vermuten.

ZDF-Bericht über Impfgegner und Alternativmedizin

Eigentlich zwei verschiedene Themen: Impfgegner und Alternativmedizin. In dem ZDF-Beitrag wurde aber beides gleichzeitig behandelt, da es in der Tat einige Überschneidungen gibt. Impfgegner behaupten, die gefährlichen Krankheiten, wie Masern, Mumps, Röteln, Diphterie, die sich durch Impfung vermeiden lassen, können durch Nahrungsergänzungsmittel (NEM) oder ähnliche Pülverchen geheilt werden. Das ist natürlich nicht richtig, wie allgemein bekannt ist. Da einige gefährliche Erkrankungen, wie Diphterie so gut wie ausgestorben sind, fehlt der Schrecken, wie es treffend eine Wissenschaftlerin in dem Beitrag formuliert.

Aber nicht nur die Heilung schwerer Krankheiten durch NEM, sondern auch die Auslösung von Autismus durch Impfungen wird als Fakt von den Impfgegner propagiert. Impfungen können Nebenwirkungen haben, das ist richtig. Aber ein Zusammenhang zwischen Autismus und Imfpungen konnte durch Studien nicht belegt werden.

Warum glaubt man Studien nicht?

Aber diese Studien werden von den Impfgegner negiert, indem u.a. behauptet wird, die Pharmaindustrie würde die Studien manipulieren, um den eigenen Gewinn zu steigern. Unternehmensgewinn ist sicherlich ein Ziel eines Pharmaunternehmens, sonst wäre es kein Unternehmen. Dass Gewinne zum Unternehmertum dazugehören ist per se für viele Menschen, gerade in Deutschland, verwerflich und im Besonderen, wenn es um das Thema Gesundheit geht. Da wird nicht nur den Ärzten ihr Einkommen geneidet (und dieses auch noch überschätzt), nein, auch jeder Gewinn der Industrie wird als Verbrechen dargestellt.

Was sind die Gründe für den Vertrauensverlust in Wissenschaft?

Allerdings muss man sich fragen, wie es überhaupt dazu kommen kann, dass es so einen Vertrauensverlust gibt und zwar nicht nur was wissenschaftliche Studien, das gesamte Gesundheitssystem und deren Teilnehmer angeht, sondern auch was das gesamte Grundverständnis von wissenschaftlichen Zusammenhängen betrifft.

  • Mangelnde naturwissenschaftliche Bildung in der Schule
  • Einseitige Berichterstattung über Jahrzehnte durch die Medien
  • Verschwörungstheorien, die im Internet unkontrolliert Fuß fassen können
Schule und Naturwissenschaft

Nicht nur, dass es schick ist eine 5 in Mathe zu haben, es gibt auch einfach zu wenig Stunden, die die Grundlagen von Chemie, Physik und Biologie vermitteln. Und ein Zusammenhang der Fächer und ihr Beitrag zum täglichen Leben wird selten ersichtlich. Das weiß sicherlich jeder aus eigener Erfahrung.

Und so fehlt auch das grundlegende Verständnis beispielsweise von Wirkung und Nebenwirkung, von heilbar und nicht heilbar, von Unterschieden zwischen Studien und Kasuistiken (Einzelfallberichten).

Selbst so intelligente, technik-affine und die Welt verändernde Persönlichkeiten wie Steve Jobs glaubte doch tatsächlich, dass er seinen Krebs mit Diät und Meditation bekämpfen könnte. Vielleicht würde er heute noch leben, wenn er nicht diesem Märchen aufgesessen wäre.

Die Medienmacht

Viele Blogbeiträge haben wir über ungenaue, einseitige oder kontraproduktive Berichterstattung geschrieben, hier nur ein paar Beispiele:

Aber das jahrzehntelange und einseitige Bashing der Gesundheitsindustrie, die sicherlich durch eine links-alternative Grundeinstellung der Journalisten gekennzeichnet war, hat sich so fest in den Köpfen der Menschen verankert, dass die Schulmedizin, die pharmazeutische Industrie und Ärzte argumentieren können wie sie möchten, es wird nicht geglaubt. Das sind die Geister, die die Medien riefen.

Verschwörungstherorien als Ursache

Verchwörungstheorien wie: die USA hat niemals den Mond betreten, der Angriff „Nine Eleven“ (11.09.2001 auf das Word Trade Center) wurde von den USA selbst initiiert, die Barcode-Verschwörung, antisemitische Verschwörungstheorien – alles hat seine Anhänger und „Beweise“ findet man im Netz. Anhänger lassen sich meist nicht mehr vom Gegenteil überzeugen, sie sind quasi „verloren“ und finden nur Bestätigung unter sich selbst.

Auch die Verschwörungstheorie Autismus und Impfung hält sich mehr als hartnäckig, ein echtes Problem, denn wenn die Herdenimmunität durch die Impfgegner löchrig wird und uns alle gefährdet, ist das keine Privatangelegenheit mehr, wie die Diskussion um eine Impfpflicht zeigt.

Lässt sich das Ruder herumreißen?

Vermutlich nur durch jahrelanges Argumentieren, eigene Erfahrungen machen und offene Diskussion, auch in den Medien, lassen Nachwachsende wieder offen für wissenschaftliche Ergebnisse werden. Vielleicht wirkt die Person Trumps selbst, der sich eindeutig auf die Seite der Verschwörungstheoretiker begeben hat (s. im Beitrag ab 10:26), als abschreckendes Beispiel. Seine Politik der Fake News als Teil des täglichen Agierens sollten allen aufzeigen, wohin es führen kann, wenn man alternativen Fakten zu viel Raum gibt.

 

 

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